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Re: Das größte Kunstwerk aller Zeiten!

Verfasst: Fr Jul 05, 2019 8:47 pm
von Basil
Zum Thema "Größtes Gesamtkunstwerk aller Zeiten":

Die Eucharistie erkenne ich heute als eines der tiefsinnigsten Mysterien, die Religionen je hervorgebracht haben. Die Messe bringt in dramatischer Form transzendierende, kosmische Weltbewältigung komprimiert zu Anschauung und Ereignis....

…..Gott selbst verkörpert die Außenwelt, wird zur Speise, stirbt in uns hinein, erlebt in uns als gegessene göttliche Substanz seine Wiedergeburt und seine Auferstehung.

….Mein Herz gehört der sinnlichen Wahrhaftigkeit, Üppigkeit des Katholizismus. In der katholischen Liturgie hat sich der Traum vom Gesamtkunstwerk auf unübertroffene Weise verwirklicht. Alles, die feierliche Sprache, die faszinierenden Rituale, die farbenreiche, berauschende, festlich stimulierende liturgische Musik brachte der Glaube hervor.
Im Innenraum, im Theater der Kirche, lässt Architektur, Skulptur, Malerei und Musik durch das Drama der Messe ein Gesamtkunstwerk entstehen. Die mit phantastischen Gewändern bekleideten Priester und Zelebranten vollziehen theatralisch mit kostbaren Kultgegenständen die heiligen Handlungen. Alle fünf Sinne werden beansprucht.
Ich liebe die katholische Tradition, die leider durch die Schuld der Kirche museal geworden ist und damit ihre unmittelbare Wirkung eingebüßt hat.
(Hermann Nitsch)

Aufgelesen und nachzulesen in:

Peter Jan Marthé/"Die Heilige Messe - kultisch szenisch sinnlich mystisch"
Echter Verlag, Würzburg 2011:
S 79/Hermann Nitsch/
Die Messe als Ort der orgiastischen Daseinsfindung

Das größte Gesamtkunstwerk aller Zeiten!

Verfasst: Do Jul 04, 2019 1:14 am
von Peter Jan
Die katholische Messe ist keineswegs fertig vom Himmel heruntergefallen, sondern sie ist Teil eines durch alle Zeiten wirkenden, universellen Gefäßes der Kraft, um den Menschen mit der Urquelle allen Seins immer wieder neu zu verbinden.
So durchwanderte „DIE MESSE“ im Lauf der Geschichte vielerlei Aspekte. Das eine Mal war sie mehr intime Begegnung der Seele mit Gott, das andere Mal war sie das große „Welttheater“, um mit allen Sinnen „Gott zu schauen“. Ein weiteres Mal wurde sie sogar zur einzigartigen „Kosmischen Liturgie“, um die Seele über unseren durch den Verstand eng begrenzten Tellerrand hinauszuheben, um uns etwas von dem großen kosmischen Ganzen der Schöpfung spüren zu lassen.
„Unsere Seele ist nämlich auf den Zusammenklang der ganzen Schöpfung gestimmt“, so Hildegard von Bingen.

Und irgendwann am Höhepunkt ihrer Entwicklung war sie sogar das größte Kunstwerk aller Zeiten, bevor sich dann im vierzehnten Jahrhundert ihr großer Niedergang anbahnte und 1965 mit der konziliaren Zertrümmerung der alten Messe ein ziemlich unrühmliches Ende gefunden hat.