Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

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Isolde
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III/3 Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Sa Okt 12, 2019 3:54 pm

GEHEN ODER BLEIBEN?

Aufgelesen in "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 33 - 08. August 2019:

Tom Kroll
Der Rückkehrer

Als Kind ging der Vater unseres Autors in die Kirche.
Als Erwachsener blieb er ihr fern. Fast 45 Jahre lang. Nun geht er wieder hin. Warum?

"In letzter Zeit verdichten sich die Hinweise, dass sich etwas im Leben meines Vaters verändert hat. Zuerst waren da die kryptischen Bemerkungen am Telefon. Er habe mitgeholfen, Äste und Laub auf dem Friedhof zusammenzutragen. Oder, dass er jetzt sonntags etwas vorhabe.
Als wir uns das letzte Mal sahen, es war Weihnachten, sagte er: "Ich gehe wieder in die Kirche." Ich fand diesen Satz bemerkenswert, gerade in einer Zeit, in der immer mehr und mehr Menschen aus der Kirche austreten, Kirchen zu Veranstaltungsorten umgewandelt oder manchmal ganz dem Erdboden gleichgemacht werden.
…und noch etwas spricht gegen die plötzliche Kirchgängerschaft meines Vaters (65 Jahre): Er war nie religiös, jedenfalls nicht, dass ich mich erinnern könnte. Nie waren wir Weihnachten gemeinsam in der Kirche...

Nun will ich wissen, was sich bei ihm verändert hat. Was ihn zu einem disziplinierten Kirchgänger gemacht hat. Dazu haben wir uns verabredet. Da, wo er nun einige seiner Sonntagmorgen verbringt, in der Dorfkirche von Kirch Rosin, im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, einem Dorf von 1100 Einwohnern...
Die kleine Kirche, 700 Jahre altes Gemäuer schmucklos, aus rotem Backstein gemauert, kalt, die Wände gelb gestrichen und von der Wand schaut Moses in Terrakottafarbe auf die Gläubigen herab.
In der Kirche sind außer uns neun andere Menschen. Vor allem ältere. Vor mir sitzt ein Mann mit einem Hörgerät, daneben eine Frau, die immer wieder einschlafen wird. Plötzlich geht die schwere Kirchentür auf und eine Wandertruppe, lauter junge Menschen mit Rucksäcken tritt herein. "Gar nicht repräsentativ heute", grummelt mein Vater...
Der Pastor schaut noch einmal in die Runde, er lächelt. Dann beginnt er seine Predigt mit den Worten: "Immer und immer wieder im Kreis, die richtige Ausfahrt verpasst"...

Damals in Gelsenkirchen, Ende der Fünfzigerjahre als die gesamte Ruhrregion noch rußverhangen und die weiße Wäsche, die draußen zum Trocknen hing, schwarz wurde, schickten seine Eltern ihn jeden Sonntag um acht Uhr in den Kindergottesdienst. Die Bibelgeschichten waren für meinen Vater eine willkommene Abwechslung vom Alltag in der Enge. Die Kirche wurde ein Ort der Zuflucht. Eine Zuflucht mit tollen Geschichten...

Es waren die späten Sechziger, als er das Buch "Der Christ als Rebell" des Theologen und Harvard-Professors Harvey Cox las. "Che Guevara war ja damals ziemlich in", sagte er mir am Telefon, "aber ich fand Jesus viel revolutionärer." Heute ist er wieder begeistert von seinen alten Gedanken, doch damals ging der "Schub" seiner Teenagerzeit vorbei. Andere Dinge, das "Erwachsenenleben" wurde wichtiger.
Und irgendwann zwischen seiner Zeit als Offizier bei der Bundeswehr und dem Jurastudium habe er dann angefangen, seinem Glauben zu misstrauen…

Nach dem Lied setzt der Pastor seine Rede fort. Auf die Kanzel steigt er nicht. Pastor Görlich ist ein Mann, der ebenerdig zu seiner Gemeinde spricht. Mein Vater mag das. Und nicht nur das. Mein Vater mag die lebendige Sprache des Pastors. Das rege seine Fantasie an, und er könne im Gottesdienst abschalten. "Die Vogelperspektive einnehmen ", sagt er. Und manche Predigten berühren ihn...
In Kirch Rosin neigt sich der Gottesdienst dem Ende entgegen. Wir stehen auf. Mein Vater faltet die Hände. Er hält seine Augen geschlossen. Wir beten das Vaterunser. Minuten später treten wir in den Sonnenschein. Zünden uns jeder eine Zigarette an. Rauchend laufen wir am Friedhof entlang. "Und, war doch schön?", fragt mich mein Vater, ich antworte nicht...

Gestern am Telefon sagte er:" Im Alter können drei Dinge mit dir passieren. Entweder du verblödest, du gehst deinen Weg weiter und bekommst einen Herzinfarkt, oder du wirst nachdenklich." Mein Vater bekam Krebs und dachte nach.
Er sagte, der Krankenhausaufenthalt war das letzte Mosaiksteinchen auf dem Weg in ein langsameres Leben. Vorher war da der Tod eines Bekannten, die Pleite von Freunden. Und die Gespräche mit Mandanten, deren Kinder im Knast saßen. Doch erst im Krankenhaus kam dieser Moment. Ein tiefes Gefühl sei da gewesen, sagt mein Vater. Ein Aha-Erlebnis. Danach habe er alles langsamer gemacht...
Und es war an einem Sonntag, vor etwa zwei Jahren. Mein Vater erzählt, er sei frühmorgens wach geworden. Und da sei ihm die Idee gekommen. Warum nicht, dachte er sich. "Eine Schnapsidee, aber eine glückliche", sagte er am Telefon. Und dann in der Kirche, da fand er, was er gesucht hatte. Gleichgesinnte. Menschen, die das Immaterielle im Leben suchen...
Doch er freut sich nicht nur über die Menschen, die er dort kennenlernte. Sondern auch darüber, dass er sich nun häufiger Gedanken zu Gott machte. Auf die Frage: "Was ist Gott für dich?", antwortete er: "Gott hat für mich keinen Aggregatzustand", ist also weder fest noch flüssig, noch gasförmig. Gott sei für ihn eine Kraft, die in allem steckt. Als Kind lockten ihn die Geschichten, als Jugendlicher war er von Jesus begeistert, als junger Erwachsener hat er in der Idee des Protestantismus Halt gefunden. Wenn er heute sagt: Gott ist in allem, dann denke ich darüber nach, dass Gott auch in ihm ist, wenn er einmal wieder zu Staub wird."

Dieser Text ist entstanden in Kooperation mit "bref", dem Schweizer Magazin der Reformierten.

Isolde
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V/1 Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » So Sep 22, 2019 7:08 pm

Aufgelesen in "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 39 - 19. September 2019:

Erik Flügge
Es geht auch ohne Euch!
Was tun, wenn Eltern nicht in die Kirche wollen

Wie sind wir denn in der Kirche gelandet? Irgendwann nahm uns unsere Mutter oder unser Vater an die Hand und mit in den Gottesdienst...in fast jedem Fall, wir wurden einfach mitgebracht.
Ich nenne diesen Vorgang "den Glauben vererben". Selbstverständlich besteht auch beim Vererben des Glaubens wie bei jedem Erbe das Risiko, dass die Generation, die nachfolgt, das Erbe ausschlägt. Aber es besteht eben auch die Chance, dass es angenommen wird.

Anders als bei Immobilien, Firmen oder Wertgegenständen reicht es beim Vererben des Glaubens leider nicht, einfach nur ein Testament zu schreiben. Man muss zu Lebzeiten eine Übergabe organisieren und die eigenen Kinder mit in die Kirche nehmen. Und genau hier liegt der Hund für uns begraben. Die allermeisten Eltern, die ihre Kinder taufen lassen, kommen nicht mit ihnen in die Kirche...

Wir könnten mal wieder verzweifelt versuchen, unser Angebot in den Kirchen aufzupeppen. Wir könnten mal wieder versuchen, irgendeinen Trend bemüht zu kopieren. Aber eines würde sich wie schon all die letzten Jahrzehnte nicht ändern: Die meisten Eltern kommen selbst nicht und bringen deshalb ihre Kinder auch nicht mit...

So können wir schlicht für die Zukunft erahnen, wie es weitergeht mit dem Christentum. Wenige Eltern bringen ihre Kinder mit, ein Teil wird das Erbe ausschlagen und der Rest bringt dann wieder zum Teil seine Kinder mit. Eine Spirale, die uns immer kleiner werden lässt.

Dabei wissen wir doch, was uns fehlt: Ein Mensch, der ein Kind mit in die Kirche bringt. Wenn die Eltern diese Rolle nicht mehr wahrnehmen, dann ist es an uns, sie zu ersetzen...

Wir brauchen Lotsen, die getaufte Kinder sonntags abholen, ohne dass die Eltern kommen müssen.
Genau wie Kindergärten oder Grundschulen könnten wir Treff- und Sammelpunkte in den Siedlungen bilden, an denen man seine Kinder abliefern kann, damit sie mit anderen Kirchengängern in die Kirche gehen und sicher wieder zurückkommen. So müssen die Eltern selber nicht mit.

Denn nichts hält Kinder mehr vom Glauben ab als Eltern, die sonntags keine Lust auf eine Messe haben.

Erik Flügge (32) ist katholisch, Bestsellerautor und politischer Berater. Hier beschreibt er seine Kirche von außen.

Isolde
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IV/2 Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Di Sep 17, 2019 10:55 am

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 38 - 12. September 2019
von Hanna Jacobs

DIE KIRCHE, EIN UNGEISTLICHER ORT
Wo bleibt die Spiritualität in den Gottesdiensten?

"Die meisten Gottesdienste, Pfarrerinnen und Kirchengemeinden, die ich bisher erlebt habe, würde ich nicht weiterempfehlen...
Wer Sinn sucht, das berühmte "Mehr", ja, von sich sogar behauptet, herausfinden zu wollen, ob es einen Gott gibt - dem könnte ich nur sehr wenige Anlaufstellen empfehlen. Denn die evangelische Kirche ist in großen Teilen ein ungeistlicher Ort. Man findet, je nach Pfarrer und Gemeinde, Geselligkeit oder Gelehrsamkeit. Die Stärke der evangelischen Kirche sind ihre Gemeindefeste mit Erbsensuppe und Posaunenchor...

Nur braucht es heute, wo jede einen Verein gründen kann, keinen großen Verein mehr, der irgendwie ein bisschen Soziales macht und ein bisschen was mit Musik. Es braucht erst recht keine sonntägliche Vorlesung, die man auf harten Bänken und ohne Powerpoint-Präsentation über sich ergehen lässt, wenn jede erdenkliche Information zu jeder Zeit online verfügbar ist...
Erklären kann, sollte man denn etwas Konkretes wissen wollen, auch Wikipedia.

Aber die meisten Menschen wollen nichts erklärt bekommen, sie wollen erfahren und erleben.
Das gilt auch für Gott.
  • Es braucht eine Kirche, die solche Erfahrungsräume schafft.
    Es braucht Hauptamtliche, deren spirituelles Repertoire größer ist, als das Vaterunser zu beten und "Großer Gott, wir loben dich" anzustimmen...
    Es braucht Formate, in denen Menschen nicht von Minute eins bis fünfundzwanzig zugetextet werden und Gebete klingen wie aus dem Lehrbuch.
    Es braucht viel mehr Sorgfalt, wenn es darum geht, Transzendenzerfahrung zu ermöglichen und deutlich weniger Vertrauen darein, dass Menschen aus einem ganz normalen Gottesdienst schon irgendwas mitnehmen werden.
Das tun sie nämlich nicht...."

Hanna Jacobs (30) ist Pfarrerin im "raumschiff.ruhr", einem Gemeindeprojekt in Essen.

Isolde
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IV/1 - Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Mi Sep 04, 2019 3:49 pm

Gelesen in: "DIE FURCHE" Die Österreichische Wochenzeitung, Nr. 35 - 29. August 2019
Leserbrief von Helmut Waltersdorfer, 4501 Neuhofen/Krems

Dieser nimmt Bezug auf den Essay "Begriffe neu denken" von Otto Friedrich, "DIE FURCHE" Nr. 34 - den finde ich nun nicht so wichtig, als dass ihr davon wissen müsstet, aber der Leserbrief, der hat es in sich - vielen Dank Herr Waltersdorfer, unbekannter Weise.

PLÄDOYER FÜR "EINE NEUE LITURGIE"
  • Wie viele Bücher und Artikel müssen noch geschrieben werden und wie viele Studien noch verfasst werden, dass die Kirchenleitung endlich versteht?
    Nicht der Glaube der Menschen verdunstet, sondern das, was die Kirche lehrt und tut bzw. nicht tut.
    Die "Eucharistiefeier" ist schon längst nicht mehr der "Mittelpunkt der Gemeinde", die "Realpräsenz Christi" als "Wesensverwandlung" in Brot und Wein ist nicht haltbar.
    Die Bibel ist nicht "Wort Gottes", sie ist uneindeutig, fehlerhaft und widersprüchlich. Sie beinhaltet eine bunte Palette von Wundergeschichten und Visionen, aufgeladen mit "nichtchristlichen" Mysterien der Antike.
    Die Liturgieinstitute kreisen immer noch um die offiziellen Hochgebete und produzieren wortlastige Vorschläge mit marginalen Änderungen.
Was soll geschehen? Abschaffung der sonntäglichen Gottesdienste in der heutigen Form.
  • Vollständige Neukonzipierung von "Menschendiensten", als Arbeitstitel vorerst "Neue Liturgie" genannt.
    Eine "Neue Liturgie" soll zu einem leidenschaftlichen Leben anregen und dazu Impulse geben, dass die Menschen sich im Herzen berühren lassen, um schlussendlich verantwortungsvoll reagieren und handeln zu können.
    Diesen Ball sollen die Liturgieinstitute und -Professoren annehmen und neue, innovative, vielfältige und mutige Vorschläge erarbeiten."
Und wer den Autor kennenlernen möchte:
http://www.akaziaverlag.at/buecher-deta ... s-neu.html

Isolde
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III/2 - Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Sa Aug 10, 2019 12:07 pm

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 33 - 08. August 2019
von Simon Berninger

GEHEN ODER BLEIBEN?

Wir sind immer noch bei den Kirchenaustritten - einer der vielen Gründe (Entfremdung und fehlende Bindung, Schwund der religiösen Bedürfnisse im Allgemeinen, die katholischen Dauerbrenner Sexualmoral und Homosexualität, Zölibat und die Rolle der Frau in der Kirche, usw.) ist die Form der Verkündigung, die "Kanzelmethodik".

"Dabei bemühen sich einzelne Gemeinden nicht erst seit gestern um altersgerechte Gottesdienste für Kinder und Familien, veranstalten Jugendmessen oder ungezwungene Abendandachten in den Kirchen. Spielraum dazu gab das Zweite Vatikanische Konzil, dessen Reformimpulse zumindest die Liturgie erneuern konnten.

Und ebenda schon tut sich der Graben für einen Befragten auf, der sich selbst "am traditionell-katholischen Rand" verortet.
Er nennt das Konzil in der Rückschau einen "Brandbeschleuniger", kritisiert "eine verweltlichte Liturgie", weil in Kindermessen anstelle der Lesung ein Theaterstück aufgeführt wird. Dabei sei die Messe doch "ein Herausbrechen aus der Welt", die einen "Blick von der Erde ins himmlische Jerusalem" eröffnen müsse.
Seine geistige Heimat findet er derzeit bei der Piusbruderschaft, die mit Rom um die Anerkennung der Dekrete ebenjenes angeprangerten Konzils ringt. Mit dem, was er will, sei er bei den Piusbrüdern besser aufgehoben als in dem, was er "Amtskirche" nennt: "Ich habe den Anspruch, katholisch zu sein, wie das Christentum seit 2000 Jahren verkündet worden ist." Es ist ihm Ernst, und die Kirche sollte auch mit Gläubigen wie ihm ins Gespräch kommen."

Isolde
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III/1 - Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Fr Aug 09, 2019 2:56 pm

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 33 - 08. August 2019
von Manuel Stark

GEHEN ODER BLEIBEN?
436.078 Mitglieder haben 2018 allein in Deutschland die Kirche verlassen. Doch was bewegt Menschen wieder einzutreten oder zu konvertieren?

BEI GOTT SEIN

Bericht von Monika Jans-Hartmann (71), pensionierte Opernsängerin aus Frankfurt am Main.
"Im Juni 2018 habe ich die Konfession gewechselt. Heute bin ich Katholikin. In der evangelischen Kirche war ich nie wirklich glücklich. Schon die Predigten: Die sind immer so politisch, oft links. Es setzt mich unter Druck, wenn es von der Kanzel aus heißt, man solle keinen Reichtum schaffen, sondern alles den Armen spenden - Jesus hätte das so vorgelebt. Das mag ich nicht. Eine Predigt darf modern sein und Mehrwert bieten. Aber ein Pfarrer muss neutral sein.
Bei den Katholiken ist das viel schöner, da geht es um Gefühl, Glaube und Einkehr. Da bleibt es jedem selbst überlassen, was für ein Handeln man aus den Worten der Predigt zieht....

Der Gedanke der Kommunion, auch das ist wichtig: In der evangelischen Kirche sind Hostie und Wein nur Symbol. In der katholischen Kirche ist das wirklich Jesu Blut und Leib. Das ist schöner, besonderer. Da fühle ich mich Christus näher und innig verbunden mit der Gemeinde und Gott....

Aber natürlich ist nicht alles gut. Die katholische Kirche braucht Reformen. Wir müssen den Zölibat überdenken....
All das, auch der Skandal, ist für mich während der Messe aber weit weg. In der Kirche fühle ich mich zu Hause bei meinem Gott, ich denke da nicht an Papst, und Kardinäle, an Kirchenpolitik und Machtstrukturen. Stattdessen führe ich Zwiegespräch mit Gott. Dann bin ich zu Hause. Diese Momente sind mir wichtig. Das macht meine Art zu glauben aus. Die Institution Kirche mit ihren Hierarchien ist mir nicht so wichtig. Wer mich deswegen für stur hält und mich nicht verstehen will, der muß es halt lassen."

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II/1 - Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Di Aug 06, 2019 11:10 am

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 22 - 23. Mai 2019
von Erik Flügge

SO GEHT MISSION!
Was "Maria 2.0" mit Atheisten macht

In Deutschland (Österreich?) wird gestreikt in der Kirche. Seit Monaten weigern sich starke Frauen und solidarische Männer in verschiedenen Gemeinden in den Gottesdienst zu gehen. Sie feiern lieber vor der Kirche und drücken damit ihren Protest aus. Fürs erste geht es bei "Maria 2.0" um das Aufbegehren gegen die Rolle der Frau in der katholischen Kirche.

"So passierte das auch in der vergangenen Woche in St. Agnes in Köln....

Zur Überraschung aller hätten Fremde plötzlich den Gottesdienst mitgefeiert. Der Pastoralreferent der Gemeinde bestätigt, dass viele Menschen spontan dazugekommen seien, weil sie plötzlich gesehen haben, dass ihre Kirche lebt.
Auf die Frage hin, warum die Organisatorin sich auf einmal nach außen traut, ist die Antwort recht klar.
"Bei Maria 2.0 stehen wir für eine Kirche, für die wir einstehen wollen."...

Im Bischofssitz des Erzbistums Köln, nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt poltert man bereits gegen den Frauenstreik und will stattdessen eine missionarische Kirche entwickeln. Vielleicht sollte man im Klerus beginnen zu begreifen, dass Gemeinden nur für das missionieren, woran sie glauben."
Erik Flügge (32) ist Bestsellerautor und politischer Berater

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Brisantes AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » So Aug 04, 2019 1:55 pm

I/1 - Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 28 - 4. Juli 2019

MACHT GLAUBE GLÜCKLICH?

Hartmut Rosa, Jahrgang 1965, Professor für Soziologie an der Universität Jena und Erfurt kann aus seiner sozialphilosophischen Perspektive natürlich keinen Gott annehmen, persönlich schon - so seine Rede. Jedenfalls spielt er gerne Kirchenlieder auf der Orgel und bisweilen auch einen Gottesdienst in seiner Gemeinde im Schwarzwald.
Höchst interessante Sachen erzählt nun Herr Rosa, einer der gefragtesten Soziologen Deutschlands und Entwickler der Resonanztheorie in diesem zweiseitigen Interview. Viel über den ständigen Optimierungszwang der modernen Gesellschaft (höher, schneller, weiter), über die Formen der Beziehungen, die wir zur Welt haben und natürlich über Resonanz, d.h. darüber, wie zwei Dinge miteinander in Schwingung geraten und jeweils mit dem eigenen Klangkörper antworten. "Es geht um eine Haltung des Hörens und Antwortens. Beide Seiten berühren sich, und es gibt die Chance einer Veränderung auf beiden Seiten."
Und in diesem Gespräch über Gott, Sehnsucht und Erschöpfung kommen die beiden (sein Gegenüber ist Jonas Weyrosta) auch auf den Gottesdienst zu sprechen.

Christ&Welt: Gottesdienste haben eher den Ruf, langweilige Veranstaltungen zu sein. Da stellt sich bei vielen gar kein Gefühl mehr ein.
Rosa: Ich glaube, auch das hat mit unseren Weltverhältnissen zu tun. Ein Grund dafür, dass Leute nicht mehr in den Gottesdienst gehen, liegt darin, dass er keine Deadline hat. Viele Menschen würden gerne mal wieder hingehen, aber dann passt es nie und man kann es endlos aufschieben. Genau genommen sieht man gerade, dass es alle Praktiken schwer haben, die keine Deadline kennen. Ein Ritus, der im Wesentlichen auf Wiederholung basiert, hat es erst einmal schwer gegenüber einer Haltung, die auf permanente Optimierung abzielt. Im Gottesdienst können wir erst einmal nichts Neues lernen, er bringt uns nicht voran. Aber es muss im Leben auch nicht ständig etwas Neues kommen.

C&W: Warum sollte man sich denn begrenzen? Es gibt noch so viel zu entdecken.
Rosa: Aber wir bleiben doch dabei ständig an der Oberfläche....
Wir sind ständig unterwegs, aber eigentlich halten wir uns dabei die Welt auf Distanz und verhindern, dass uns etwas berührt.

C&W: Also wäre es besser, sich zu beschränken und immer wieder das gleiche zu tun?
Rosa: Zumindest bestünde da eine größere Chance, dass wir mit der Welt in Resonanz treten. Weil wir der Welt offen begegnen, sie nicht kontrollieren, sondern sie auf uns zukommen lassen. Dabei helfen uns Rituale wie der Gottesdienst....
Das Beten ist ein gutes Beispiel für eine Resonanzpraxis. Wir wenden uns nach außen und innen zugleich. Etwas berührt unser Innerstes und steht zeitgleich in Verbindung mit einer umgreifenden Realität. In den Liedern, im Gebet kann ein Sinn für eine andere Existenz entstehen, die mich meint. Und das ist das Gegenteil davon, immer nur bei uns selbst zu bleiben. Menschen haben eine ungebrochene Sehnsucht, dem anderen zu begegnen, aber wir haben das offenbar verlernt. Die Religion wäre ein Rahmen, diese Sehnsucht auszuleben....
Wir haben längst viele Äquivalente zur Religion auf säkularer Seite, in Naturerfahrungen oder in der Esoterik. Man hört oft Sätze wie: "Ich muss mal wieder raus ins Grüne, um mich selbst zu spüren." Auch das sind Resonanzvorstellungen, das Innerste, meine Psyche tritt in Verbindung mit der äußeren Ganzheit. Das zeigt, in säkularen Gesellschaften gibt es diese Notwendigkeit, sich einer Art Resonanzbeziehung zu vergewissern.

C&W: Wird das Grundbedürfnis nach Religion trotzdem bleiben?
Rosa: Das Bedürfnis wird immer bleiben. Aber die Kirchen haben ein ganz anderes Problem: Viele Pfarrer stehen wie ein Lehrer vor einer Klasse und haben das Gefühl, die Schüler hören ihnen eh nicht mehr zu. Sie erreichen ihre Zuhörer nicht mehr. Das wäre allerdings wichtig, sonst entsteht eine Abwärtsspirale: Viele Menschen gehen nicht mehr in die Kirchen, weil sie sich nichts davon erwarten. Und noch problematischer ist, dass viele, die hingehen, dort nichts mehr erfahren. Dann ist es wirklich ein totes Ritual.

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