Wie hast Du's mit dem Singen?

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Solange

Re: Wie hast Du's mit dem Singen?

Beitrag von Solange » Mi Dez 18, 2019 4:24 pm

Gute Frage! Kann mich nicht erinnern in letzter Zeit gesungen zu haben, jedenfalls ist mir das nicht bewusst. Auch nicht im Gottesdienst. Gehe nur zu den Feiertagen hin und da gebe ich mir eine herrliche Orchestermesse. Da ist die Gefahr singen zu müssen eher gering.
Mein Mann pfeift manchmal so vor sich hin - dann weiß ich, dass er zufrieden ist mit sich und der Welt - da lacht mein Herz.
Danke für den Tipp. Muss ja nicht gleich bei Jesus sein, aber ich könnte mal versuchen meiner Lebensfreude, so vorhanden, mit Tönen Ausdruck zu verleihen.

Isolde
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Wie hast Du's mit dem Singen?

Beitrag von Isolde » Do Dez 12, 2019 1:48 pm

Warum die Musik die Seele erhebt
von Petra Bahr

Warum wird in der Kirche eigentlich so viel gesungen? Ich singe nicht gerne und fühle mich sehr unwohl dabei. Jesus hat auch nicht gesungen.


"Ich kann mir Jesus nicht anders als singend vorstellen. Ein paar tänzelnde Schritte, zusammen mit dem Mann, der plötzlich wieder gehen kann. Ein alter Psalm, zusammen mit Petrus angestimmt und im Spaß weitergedichtet.
Lieder von Jesus sind nicht überliefert. Das stimmt. Weil der Gesang im Judentum so selbstverständlich war.

Schmerz oder Glück, Angst oder Jubel, der ursprünglichste Ausdruck für diese Gefühle ist das Lied, eine Melodie, die aus den Tönen entsteht, die aus der Kehle kommen, bevor Worte für diese Gefühle da sind.

Vielleicht singen Sie manchmal heimlich unter der Dusche, trommeln am Lenkrad zu einem Rhythmus, der aus dem Radio kommt. Vielleicht wippt auch nur ganz leicht ein Fuß bei einem Song, der Sie an etwas Schönes erinnert.
Das ist der Beginn von Musik. Dafür muss man nicht einmal selber singen.
Vielleicht können Sie auf zwei Fingern pfeifen. Auch das hat mit Musik im Gottesdienst zu tun, mehr als Sie denken.

Nun ist es selten so, dass Menschen in der Kirche pfeifen und singen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Das unmittelbare Gefühl ist quasi domestiziert. Alle singen mehr oder weniger das Gleiche, aus den gleichen grauen Büchern.
Lieder mit Texten, die oft fremd und seltsam klingen, auf Melodien, die Hunderte von Jahren alt sind.
Oder eine Band singt laut, die Nachbarn beginnen rhythmisch zu klatschen oder die Hände nach oben zu reißen, weil vorne jemand angekündigt hat, jetzt sei "Lobpreis" dran. Dabei ist einem zum Heulen zumute.

Manche Menschen können sich auch nicht beim Singen zuhören. Sie haben Angst vor falschen Tönen. Oder sie erinnern sich an die Musiklehrerin, die gefunden hat, dass ein so unmusikalischer Tropf besser zur Blockflöte greifen soll, als beim Klassenspiel mitzusingen. Ja, wer singt, macht sich verletzlich.
Singen Sie doch einfach ganz leise, versuchsweise. Brummeln gilt auch. Manchmal braucht es ein paar Strophen, bis sich im Singen das Singen selbstverständlich anfühlt.
Die Töne, die aus dem Körper kommen, diesem Resonanzraum für Gefühle und Gedanken, können verändern.
Und wer singt, kommt leichter aus der Zuschauerposition heraus.
Für die Dauer von ein paar Strophen kann das Zusammenstimmen mit anderen ein Gemeinschaftsereignis schaffen, das über vieles hinwegträgt.

Die Bibel ist übrigens voll von Liedern.
Psalmen sind nichts anderes als die Texte, die gesungen wurden - Lyrics für Melodien, die verloren gingen und deshalb immer wieder neu komponiert wurden.
Liturgien sollen helfen, in Worte einzustimmen, die sich nicht einfach glauben lassen. Sie sind oft ganz einfach und werden seit Jahrhunderten wiederholt.

Ein Gottesdienst ist kein Gesangswettbewerb. Es darf schräg und laut klingen oder zaghaft mitgesummt.
Singen ist nämlich der Anfang des Betens. Es braucht keine Worte dazu oder nur ein paar geliehene, abgewetzte Sätze, die schon Generationen von Menschen durchs Leben trugen.
Die Alten glaubten sogar, dass Gott selbst und der ganze Kosmos singt."

aus "Christ & Welt" - 05.12.2019, Nr. 51

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