DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

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Abelard

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Abelard » Mo Feb 24, 2020 1:11 am

Tatsächlich? Es gibt kein "abhandengekommenes Gottesvolk", sagt der Herr Pfarrer? Dann sollte der Herr Pfarrer doch mal seinen Taschenrechner auspacken und ganz einfach zusammenrechnen: nehmen wir mal rein theoretisch an, in Mitteleuropa gibt es etwa siebzig Millionen Christen und Christinnen. Das wären die einhundert Prozent. Von diesen gingen jedoch nur mehr ca. 10 Prozent in die Kirche. Also in Zahlen ausgedrückt etwa sieben Millionen Christinnen und Christen, die sich zwar meistens schon jenseits der Siebzig bewegen, aber dennoch weiter schön brav allsonntäglich in die Kirche gehen. Der Rest, der nicht in die Kirche kommt, liegt dann bei ca. Dreiundsechzig Millionen. Dreiundsechzig Millionen!!! Ich wäre sehr gespannt, wie der Herr Pfarrer diese erkleckliche Anzahl von Abhandengekommenen sonst zu benennen beliebt? :lol:
Vielleicht aber weiß der Herr Pfarrer ja auch nicht, dass es einmal Zeiten gegeben hat, in denen die Messe tatsächlich Quelle des Lebens und Inbegriff der Glaubenspraxis war und die Menschen zu beinahe hundert Prozent durch sie ihren spirituellen Hunger stillten. Unser tägliches Brot gib uns heute!
Wie wäre es, wenn sich der Herr Pfarrer ganz einfach eine der nächsten "Erdwärtsmessen" in St. Nikolaus anschaute. Dort kann er nämlich sehen und hören, was sich abspielt, wenn es gelingt, das abhandengekommene Gottesvolk wieder auf die Beine zu bringen! :D

Johannes

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Johannes » Mo Feb 24, 2020 12:23 am

Oho! So bequem kannst du dich natürlich auch aus der Verantwortung stehlen! :D

Ariel

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Ariel » Mo Feb 24, 2020 12:20 am

Als ich einem mir befreundeten Pfarrer von der "himmlischen Messe für das abhandengekommene Gottesvolk" in St. Nikolaus erzählte, reagierte er ziemlich sauer auf das "abhandengekommene Gottesvolk". Es gäbe, so sagte er, kein abhandengekommenes Gottesvolk. Es gäbe Menschen, welche die Kirche besuchen und eben solche, die die Kirche nicht besuchen. :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

Heinz

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Heinz » So Feb 23, 2020 11:52 pm

Johannes hat geschrieben:
So Feb 23, 2020 11:45 pm
Wenn du zum "abhandengekommenen Gottesvolk" zählst, dann haste Pech. Dieses kommt nämlich in der kirchlichen Planung nicht vor.
Was genau ist das "abhandengekomme Gottesvolk"?

Johannes

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Johannes » So Feb 23, 2020 11:45 pm

Das einzige Problem, das eine "Erdwärtsmesse" verursacht, ist: du fällst danach in ein tiefes Loch. Was tun nach einem Gottesdienst wie dem vom vergangenen Sonntag in St. Nikolaus"? In eine andere Kirche gehen? Hab ich schon mehrmals zuvor versucht. Zwecklos, du wirst enttäuscht! Oder anstelle dessen vielleicht mit Freunden üppig brunchen gehen? Auch das schlug bisher fehl. Was bleibt, ist die große Sehnsucht. Wenn du zum "abhandengekommenen Gottesvolk" zählst, dann haste Pech. Dieses kommt nämlich in der kirchlichen Planung nicht vor.

Hedwig

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Hedwig » So Feb 23, 2020 12:53 am

Patrick hat geschrieben:
Sa Feb 22, 2020 11:58 pm
....und dann auch noch diese Rituale, deren Bedeutung für Nichteingeweihte wohl ziemlich dunkel bleiben muss.....
Als ich nach dem Gottesdienst die Nikolauskirche wieder verließ, erklärte der Komponist und Dirigent der "Erdwärtsmesse", Peter Jan Marthé gerade einigen Messbesuchern auf seine ihm eigene, begeisternde Art einige dieser sogenannten "dunklen Vorgänge" rund um den Altar. Es war sehr erhellend und faszinierend zugleich. Da habe ich es sehr bedauert, dass es keine solche Erklärung als Vorbereitung für diesen Gottesdienst gegeben hat. Vielleicht wäre das eine Anregung für die Zukunft? Eine kleine Einführung in das Gesamtkonzept dieser Messe vorab. Die Besucher wären sicher nicht nur sehr dankbar dafür, sie könnten dann auch viel besser und intensiver dem folgen, was eine Messe so alles für uns bereithält.

Patrick

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Patrick » Sa Feb 22, 2020 11:58 pm

Seit vergangenem Sonntag werde ich von seltsamen schizophrenen Gedanken geplagt. Für mich ist eine „Erdwärtsmesse“ (und das, was sie mit einem alles so machen kann) ja nichts Neues. Zu oft schon habe ich diese miterlebt und mich von ihr in eine „andere Dimension“ katapultieren lassen. Aber diesmal erlebte ich in St. Nikolaus während des Gottesdienstes einen nahezu peinlichen „Einschuss“.
Ist das alles vielleicht nur ein Faschingsscherz, was da gerade in der Kirche abgeht? Welcher normale Mensch würde freiwillig in bunte, ziemlich antik wirkende Kleidungsstücke schlüpfen, die eher einer verstaubten Theateraufführung zu entstammen scheinen – wie eben die Akteure am Altar, außer es ist Fasching? Und dann auch noch diese Rituale, deren Bedeutung für Nichteingeweihte wohl ziemlich dunkel bleiben muss. Einmal abgesehen von den Gesängen und Liedern, die mit denen der Top-Pop-Charts verdammt wenig gemein haben.
Und trotz alldem ist die Kirche bis auf den letzten Platz voll? Und das ausgerechnet gerade nicht von traditionellen Kirchgehern, wie danach zu vernehmen war, sondern ganz im Gegenteil von denen, die sich selbst zum „abhandengekommenen Gottesvolk“ zählen, um die sich die Kirche nicht schert, wie sie sagen. Ausgerechnet die besuchen nun einen Gottesdienst, der nicht die dem „Zeitgeist“ geschuldeten Klischees bedient, um jeden Preis „modern“ und „nah dran an der Lebenswirklichkeit der Menschen“ sein zu wollen, sondern vielmehr dem Gegenteil vertraut.
Dagegen wird hier von den Architekten dieses Gottesdienstes ganz bewusst eine krasse Gegenwelt aufgebaut. Eine Gegenwelt, die sich gewaschen hat, die wie eine Fata Morgana aufblitzt und uns für eine kurze Zeit aus dem Tiefschlaf unserer alltäglichen Bodenhaftung aufscheucht und wir sodann mit einer großen Sehnsucht zurückbleiben, dass es da unendlich mehr geben muss, als es uns rund um die Uhr vorgegaukelt wird.
Ja, da muss es noch unendlich mehr geben, mit dieser Zuversicht habe ich diese wundervolle Kirche nach einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Gottesdienst wieder verlassen. Wenn ich auch höchstwahrscheinlich die zwiespältigen Gefühle nicht so schnell wieder loswerde.

Franz & Angelika

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Franz & Angelika » Sa Feb 22, 2020 6:31 pm

Wir waren mit Freunden vergangenen Sonntag auch in St. Nikolaus! Allerhöchstes Kompliment! Eine wunderschöne Kirche, ein beeindruckender Chor, ein tolles, mitreißendes Orgelspiel und obendrauf eine außergewöhnliche Messkomposition! Nicht zu vergessen die Predigt, die zu Herzen ging!

Erwin

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Erwin » Fr Feb 21, 2020 9:28 am

Ich kenne und schätze Peter Jan Marthe´ seit 25 Jahren und habe die Entwicklung der „Erdwärtsmesse“ bis hin zur „ Neuen Erdwärtsmesse“ mitverfolgen können. Die Intension, den Gottesdienst im besten Sinne als Gesamtkunstwerk zu verstehen, war am Sonntag in St. Nikolaus klar zu sehen und zu spüren. Gesamtkunstwerk vor allem, was die Einheit von Priester (Texte, Evangelium, Predigt), Musik (Gesänge, Liedtexte, Orgel) und mitfeierndem Gottesvolk betrifft. Dazu gehören aber auch die sehr schöne St. Nikolauskirche mit ihren herrlichen Fenstern, die die Kirche durch die wechselnde Sonneneinstrahlung zu einem mystischen Raum werden ließen und der Willkommensgruß durch die Kirchenglocken vor dem Gottesdienst. Nach anfänglichem „Aufwärmen“ - vielleicht auch ein wenig Neugier vor dem Neuen - wurde ich durch die Stimmigkeit des Gesamten, die man nicht gut beschreiben kann, sondern die man erleben und spüren muss, sogleich mitgenommen, berührt, ergriffen und tief bewegt. Danke an alle, die es geschafft haben, diese Hl. Messe zu einem großartigen, die Seele berührenden Erlebnis werden zu lassen.

Peter Jan Marthé

Exklusiv! Predigt von Bischofsvikar Jakob Bürgler

Beitrag von Peter Jan Marthé » Fr Feb 21, 2020 1:46 am

Nach der wunderbaren Predigt, die Bischofsvikar Jakob Bürgler anlässlich der Feier der "Neuen Erdwärtsmesse" am Sonntag, den 16. Februar in der St. Nikolauskirche in Innsbruck gehalten hat, bestand eine große Nachfrage. Ich danke deshalb Herrn Bischofsvikar Jakob Bürgler für seine Bereitschaft, den Predigt-Text hier auf dieser Website exklusiv veröffentlichen zu dürfen.
Peter Jan Marthé


Jakob Bürgler

Neue Erdwärtsmesse
Sonntag, 16. Februar 2020 / St. Nikolaus, Innsbruck
1 Kor 2,6-10 / Joh 4,7-15

Der Brunnen als Bild. Als existentielles Bild. Der Brunnen ist ein Ort, wo wir uns hinsetzen können, uns ausrasten, neue Kraft schöpfen. Er ist eine Quelle der Kraft. So einen Brunnen hat eigentlich jeder Mensch. Nicht im wörtlichen Sinn vielleicht, aber im bildlichen Sinn. Einen Ort, wo wir neue Kraft finden. Das kann meine Familie sein, mein Zimmer, in das ich mich manchmal ganz allein zurückziehen kann, mein Bett, Musik, die ich gerne höre. Meine Freunde können so ein Brunnen sein. Vielleicht auch der Gottesdienst.
Spannend ist, was sich zwischen Jesus und der Frau tut. Die beiden beginnen zu reden. Über den Durst. Weil es heiß ist und weil der Körper ausgetrocknet ist. Auf einmal aber reden sie über einen anderen Durst, einen viel tieferen Durst, den Durst der Seele. Die Frau braucht nicht nur gutes Wasser, das sie leben und überleben lässt. Sie braucht auch etwas, das ihr Herz und ihre Seele nähren kann. Sie hat einen Durst nach mehr!
Und da ist sie nicht allein. Jeder Mensch kennt in sich diesen Durst nach mehr. Den Durst nach etwas, das das Herz und die Seele nähren kann. Wir haben Durst nach Anerkennung, nach Freundschaft, nach tiefer Freude, nach guter und tragender Gemeinschaft, nach Glück, nach Gesundheit, nach Zufriedenheit. Und noch vieles mehr. Man könnte sagen: Jesus führt die Frau am Brunnen – und uns – vom äußeren Durst zum inneren Durst.

Wie diesem Durst auf die Spur kommen? Und wie diesen Durst stillen? Als glaubende Menschen dürfen wir uns glücklich schätzen. Wir kennen eine Quelle, an der wir trinken können. Eine Quelle für den inneren Durst, für den Durst nach ‚mehr im Leben’. Jesus sagt, dass er selber diese Quelle ist, dass jeder, der zu ihm kommt, bei ihm frischer und lebendiger wird.
Eine starke Behauptung, würde ich einmal sagen. Ist es denn wirklich so? Empfinden und erfahren das die Menschen heute so?

Wie hinfinden zur Quelle mit dem Namen Jesus? Und damit verbunden die Frage: Ist die zentrale Feier des Glaubens, die Messe, eine Quelle? Können wir in dieser Feier wirklich zum Quellwasser Jesu vordringen? Eine spannende Frage, die mich umtreibt. Es ist gut, sich immer neu darüber Gedanken zu machen. Wie kann die Messe das sein, was sie zu sein behauptet? Quelle und Höhepunkt. Wie kann die Messe ein Brunnen sein, an dem wir das frische Lebenswasser Jesu trinken können?
Vor kurzem ist mir ein Zitat von Peter Handke in die Hände gefallen. Er hat einmal in einem Interview gesagt: „Wenn ich die Worte der Heiligen Schrift höre, die Lesung, die Apostelbriefe, die Evangelien, die Wandlung miterlebe, die Kommunion und den Segen am Schluss, Gehet hin in Frieden! Dann denke ich, dass ich an den Gottesdienst glaube. Ich weiß nicht, ob ich an Gott glaube, aber an den Gottesdienst glaube ich.“ Und in seinem Werk „Der große Fall“ erzählt er von einem Schauspieler, der suchend durch das Land irrt. Die Sehnsucht nach mehr treibt ihn an. Selbst wenn alle Bedürfnisse befriedigt sind, gibt es im Menschen etwas, das darüber hinaus eine gewisse Unruhe und Sehnsucht freisetzt. Der umherirrende Schauspieler kommt an einer Kirche vorbei. Er besucht einen Gottesdienst. Er ist berührt von dem, was da passiert. Er spürt in sich eine tiefe Freude, die sich von den Freuden des Alltags unterscheidet.

Die neue Erdwärtsmesse versucht hier, einen Weg zu beschreiten. Diese tiefe Wirklichkeit neu zu erschließen. Durch das bewusste Überschreiten der Schwelle mit dem Klopfen an der Tür zu Beginn. Wir betreten einen heiligen Raum. Durch das behutsame Durchschreiten der acht Räume. Immer tiefer soll in das Mysterium der Eucharistie eingetaucht werden. Durch das Ziel, feiernd die heilende Begegnung mit Gott erfahrbar und spürbar zu machen.
Was mich persönlich besonders berührt: Die intensive Bitte, ja das Flehen um den Heiligen Geist. Die Epiklese. Nur der Geist Gottes ist es, der die tiefe Kraft eines Rituals lebendig machen und spüren lassen kann. Und die innige Bitte um das Kommen des Herrn. Maranatha! Komm Herr Jesus! Wenn Jesus die Quelle ist, dann geht das nur, wenn er da ist, wenn er kommt, wenn eine Beziehung zu ihm wächst.
Paulus schreibt davon, in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. Wir haben daraus in der Lesung gehört: „Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes……wir verkündigen, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,7.9)

Und so gehen wir jetzt zur Quelle und danken Gott dafür und trinken daraus, damit wir mit Freude und Vertrauen und mit neuer Kraft und Lebendigkeit wieder hinaus in das alltägliche Leben gehen können.

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