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Re: Erdwärtsmesse in St. Nikolaus

Verfasst: Fr Mär 13, 2020 1:10 pm
von Stefan
Mein Terminkalender ist voll. Eurer wahrscheinlich auch: Arbeitstermine, Sitzungen, Proben, Veranstaltungen.
Ich denke mir manchmal: Irgendwann wird's ruhiger... doch dieses irgendwann kommt nicht.
Und dann kommt noch eine Anfrage dazu, ob ich nicht bei der Erdwärtsmesse in St. Nikolaus mitsingen könnte. Eigentlich hatte ich dafür bereits aus Zeitgründen abgesagt. Doch es lässt mich nicht los.

Freunde haben mir angeraten, doch nicht extra wegen eines Gottesdienstes von Südtirol nach Innsbruck zu fahren. Und noch dazu zwei Tage lang.
Doch ich sage zu und fahre hin.
Die Freude an der festlichen Liturgie überwiegt und begeistert mich. Es ist für mich ein Auftanken und irgendwie eine Erholung im Stress des Terminkalenders.
Als der erste Ton des Eingangsliedes, der Ton A im Pleno der Orgel erklang, wusste ich das ich in diesem Moment nirgendwo lieber sein möchte als jetzt hier in St. Nikolaus. Der Höhepunkt des Gottesdienstes war für mich der neu komponierte Wunsch nach Frieden "Gib uns, Herr, deinen Frieden" in Form eines Klangdoms. In diesem Moment der einfachsten Tonfolge überhaupt, ergriff mich Gänsehaut und ich spürte, welche Bedeutung der Frieden in heutiger Zeit hat.

Nach dem Gottesdienst ging ich in das Kirchenschiff nach unten. Das erste was ich von den Flüstergesprächen der Gottesdienstteilnehmer hören könnte war: "Des wor wirklich sehr ergreifend und schian, doch a bissl weniger hätts auch getan."
Genau diesem Wortlaut möchte ich mich im Blick auf die Messe in St. Nikolaus am 16.02.2020 anschließen. Jedes der Stücke hat mich ergriffen, doch eine Häufung an Elementen kann auch zu einer Überhäufung werden. Nicht jedes Element muss zwingend musikalisch erweitert und ausgestaltet werden. Ich würde es befürworten, Akzente zu setzen. Das heißt in einem Gottesdienst kann der Akzent auf den Frieden mit dem Friedensdom gelegt werden, in einer anderen Feier die österliche Freude mit einer Halleluja-Coda, in einer anderen Messfeier das gesungene Fürbittgebet, in wieder einer anderen Feier das Hochgebet mit dem Maranata oder das Amen am Schluss der Doxologie.
Dabei habe ich nicht in erster Linie die Dauer des Gottesdienstes im Blick, sondern die Fassbarkeit der Gottesdienstteilnehmer. Es war für mich diesmal zu viel. Deshalb: Weniger ist manchmal mehr.

Ich übe Kritik an der Erdwärtsmesse! - Ist das erlaubt?
Ich denke durch meine Kritik zeige ich auf, dass mir Liturgie und die Erdwärtsmesse wichtig ist. Sonst könnte ich auch einfach nichts schreiben.
Was ich anfangs formuliert habe gilt auch weiterhin: "Doch es lässt mich nicht los."

Wenn Menschen von Musik fasziniert und begeistert werden und Musik sie nicht wieder loslässt, dann hat Musik etwas eröffnet, eine Tür aufgetan. Die Erdwärtsmesse hat mir eine Tür aufgetan.
Gute geistliche Musik vermag es, vom Unsagbaren eine Ahnung zu vermitteln und dem Unaussprechlichem eine "Stimme" zu geben. Wer singt und musiziert gibt Zeugnis von sich, bringt seinen Glauben zur Sprache und kommt ins Herzensgespräch mit Gott.

Re: Erdwärtsmesse in St. Nikolaus

Verfasst: Mi Mär 11, 2020 1:08 am
von Thomas Morus
walter vögele hat geschrieben:
Mo Mär 09, 2020 9:13 pm
Umso mehr freut es mich, dass der Gegenbeweis für fade Messen erbracht worden ist...
...die Erdwärtsmesse kann den heutigen Gläubigen und Suchenden mehr emotionalisieren und zur Spiritualität führen als so manches klassische Meisterwerk. Ich hoffe, dass mit dem Bischofsvikar Jakob Bürgler zukünftig mehrere "Gottesdiener" erkennen, was z. B. mit einer Erdwärtsmesse möglich wäre und dass die Suchenden und spirituell Hungernden auch heute noch Kirchen füllen können.
Der Beitrag von Walter Vögele ist Musik für meine Ohren! Zwar bin auch ich schon seit einiger Zeit ein Fan der Erdwärtsmesse, aber das war nicht immer so. Ich selbst habe eine unverhoffte „Bekehrung“ zur Messe durch sie erlebt, bin vom Saulus zum Paulus geworden. Deshalb möchte ich das natürlich auch gerne mit Freunden und Bekannten teilen, die mir persönlich nahe sind. Umso bitterer ist es, wenn ich auf dieses Thema zu sprechen komme und dann meistens nur Augenverdrehen, Blicke des Mitleids oder bissige Bemerkungen ernte, soetwas Uncooles wie diese verstaubte Messe überhaupt anzusprechen.
Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Denn wie ich in letzter Zeit in den Medien beobachten konnte, ist Peter Jan Marthé keineswegs verlegen, der alten uncoolen Messe so allerhand Neues und Aufregendes abzugewinnen, sodass dann sogar hartgesottene Skeptiker oder „Verhaltene“ (Werner Vögele) plötzlich hinzulaufen beginnen, wie letztens in Sankt Nikolaus geschehen. Ein Priester, der mit dem Hammer auf die Kirchtüre wuchtet! Eine „Messe für das abhandengekommene Gottesvolk“? Von griffiger „PR“ scheint Herr Marthé ja einiges zu verstehen. Die Kirche sollte ihn also in Sachen "Messe" umgehend zu ihrem künftigen PR-Chefstrategen machen! :lol:

Erdwärtsmesse in St. Nikolaus

Verfasst: Mo Mär 09, 2020 9:13 pm
von walter vögele
Auch ich pilgerte wie so viele am Sonntag, den 16.2.2020 zur Stadtpfarrkirche St. Nikolaus und war gespannt, beobachtete, hörte, nahm alles auf, war berührt und ging dann wieder erfüllt weg. Ich habe nämlich schon mehrere Erdwärtsmessen an verschiedenen Orten erlebt.
Ich war ein Schaf unter den vielen. Ich war inmitten der Herde, unter Verhaltenen, Neugierigen, Ergriffenen und Begeisterten.
Ich hab die neuen byzantinischen Gesänge und Lesungen vernommen, sehr schön und berührend.
Mir gefällt, dass die Suchenden und Hungernden nach Spiritualität sich in aller Vielfalt im Public Forum ausdrücken.
Es handelt sich beim verlorenen Gottesvolk lediglich um die klerikal Entäuschten und Verlorenen. Von Gott, bzw. dem Heiligen Geist werden sie aber an die Quelle geführt, sie werden gelabt und in ihrer Hoffnung gestärk, dass sie keinesfalls Verlorene im göttlichen Sinne sind.

Ich hatte das Gefühl, dass Jakob Bürgler eins mit der Messe war, denn ich war gespannt wie er sich in dieser Messe verhalten wird. Die Messe ist nämlich stark und kann die liturgische Handlung und den Priester an die Wand fahren, oder der Priester kann mit der Erdwärtsmesse verschmelzen und darin erhoben, groß und stark werden. Das ist geschehen und ich habe mich, in erster Linie für Jan Marté gefreut. Denn so ein Werk schafft man nicht ohne Mühe und Opfer. Man muss vieles ertragen und erleiden und Geduld haben, denn der Erfolg ist nicht jedem beschieden und stellt sich nicht gleich ein. Umso mehr freut es mich, dass der Gegenbeweis für fade Messen erbracht worden ist und dass das vermutlich auch der BischofsvikarJakob Bürgler erkannt hat, so wie er sich geäußert hat. Jakob Bürgler musste erkennen, dass eine Kirche auch heutzutage noch viele, nach Spiritualität Hungernde, anziehen kann. Er musste auch erkennen, dass das Gottesvolk sich nicht mehr mit Mittelmäßigem in jeder Hinsicht abspeisen lässt, denn Gott ist groß und er verdient mehr als nur das Wort alleine. Gott verdient das maximal Mögliche im Großen wie auch im Kleinen. In St. Nikolaus war das Große möglich. Die Architektur, die Zeremonie, das Wort in der liturgischen Handlung und die großartige Musik verschmolzen zu einer wahren Huldigung an Gott. Emotional das Stärkste war aber die Musik. Die Musik der Erdwärtsmesse kommt wie ein Gewitter über alle im Kirchenraum, bricht zuerst auf und erschüttert. Dann lösen sich die Wolken und Hoffnung tritt hervor. Der Mensch wird im "Dreimalheilig" erfasst und emporgehoben, wächst über sich hinaus und wird ergriffen und erfüllt. Verhaltene werden ob dieser Wirkung erstaunt sein. Die Erdwärtsmesse kann den heutigen Gläubigen und Suchenden mehr emotionalisieren und zur Spiritualität führen als so manches klassische Meisterwerk. Ich hoffe, dass mit dem Bischofsvikar Jakob Bürgler zukünftig mehrere "Gottesdiener" erkennen, was z. B. mit einer Erdwärtsmesse möglich wäre und dass die Suchenden und spirituell Hungernden auch heute noch Kirchen füllen können.

Die Heilige Messe war vor allem ein großer Erfolg für Jan Marté, dafür kann er sich in seinem Innersten freuen!

Walter Vögele, am 09.3.2020