AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

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Isolde
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Re: AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Sa Aug 10, 2019 12:07 pm

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 33 - 08. August 2019
von Simon Berninger

Wir sind immer noch bei den Kirchenaustritten - einer der vielen Gründe (Entfremdung und fehlende Bindung, Schwund der religiösen Bedürfnisse im Allgemeinen, die katholischen Dauerbrenner Sexualmoral und Homosexualität, Zölibat und die Rolle der Frau in der Kirche, usw.) ist die Form der Verkündigung, die "Kanzelmethodik".

"Dabei bemühen sich einzelne Gemeinden nicht erst seit gestern um altersgerechte Gottesdienste für Kinder und Familien, veranstalten Jugendmessen oder ungezwungene Abendandachten in den Kirchen. Spielraum dazu gab das Zweite Vatikanische Konzil, dessen Reformimpulse zumindest die Liturgie erneuern konnten.

Und ebenda schon tut sich der Graben für einen Befragten auf, der sich selbst "am traditionell-katholischen Rand" verortet.
Er nennt das Konzil in der Rückschau einen "Brandbeschleuniger", kritisiert "eine verweltlichte Liturgie", weil in Kindermessen anstelle der Lesung ein Theaterstück aufgeführt wird. Dabei sei die Messe doch "ein Herausbrechen aus der Welt", die einen "Blick von der Erde ins himmlische Jerusalem" eröffnen müsse.
Seine geistige Heimat findet er derzeit bei der Piusbruderschaft, die mit Rom um die Anerkennung der Dekrete ebenjenes angeprangerten Konzils ringt. Mit dem, was er will, sei er bei den Piusbrüdern besser aufgehoben als in dem, was er "Amtskirche" nennt: "Ich habe den Anspruch, katholisch zu sein, wie das Christentum seit 2000 Jahren verkündet worden ist." Es ist ihm Ernst, und die Kirche sollte auch mit Gläubigen wie ihm ins Gespräch kommen."

Isolde
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Re: AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Fr Aug 09, 2019 2:56 pm

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 33 - 08. August 2019
von Manuel Stark

436.078 Mitglieder haben 2018 allein in Deutschland die Kirche verlassen. Doch was bewegt Menschen wieder einzutreten oder zu konvertieren?

Dazu aus dem Bericht von Monika Jans-Hartmann (71), pensionierte Opernsängerin aus Frankfurt am Main.
"Im Juni 2018 habe ich die Konfession gewechselt. Heute bin ich Katholikin. In der evangelischen Kirche war ich nie wirklich glücklich. Schon die Predigten: Die sind immer so politisch, oft links. Es setzt mich unter Druck, wenn es von der Kanzel aus heißt, man solle keinen Reichtum schaffen, sondern alles den Armen spenden - Jesus hätte das so vorgelebt. Das mag ich nicht. Eine Predigt darf modern sein und Mehrwert bieten. Aber ein Pfarrer muss neutral sein.
Bei den Katholiken ist das viel schöner, da geht es um Gefühl, Glaube und Einkehr. Da bleibt es jedem selbst überlassen, was für ein Handeln man aus den Worten der Predigt zieht....

Der Gedanke der Kommunion, auch das ist wichtig: In der evangelischen Kirche sind Hostie und Wein nur Symbol. In der katholischen Kirche ist das wirklich Jesu Blut und Leib. Das ist schöner, besonderer. Da fühle ich mich Christus näher und innig verbunden mit der Gemeinde und Gott....

Aber natürlich ist nicht alles gut. Die katholische Kirche braucht Reformen. Wir müssen den Zölibat überdenken....
All das, auch der Skandal, ist für mich während der Messe aber weit weg. In der Kirche fühle ich mich zu Hause bei meinem Gott, ich denke da nicht an Papst, und Kardinäle, an Kirchenpolitik und Machtstrukturen. Stattdessen führe ich Zwiegespräch mit Gott. Dann bin ich zu Hause. Diese Momente sind mir wichtig. Das macht meine Art zu glauben aus. Die Institution Kirche mit ihren Hierarchien ist mir nicht so wichtig. Wer mich deswegen für stur hält und mich nicht verstehen will, der muß es halt lassen."

Isolde
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Re: AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » Di Aug 06, 2019 11:10 am

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 22 - 23. Mai 2019
von Erik Flügge

In Deutschland (Österreich?) wird gestreikt in der Kirche. Seit Monaten weigern sich starke Frauen und solidarische Männer in verschiedenen Gemeinden in den Gottesdienst zu gehen. Sie feiern lieber vor der Kirche und drücken damit ihren Protest aus. Fürs erste geht es bei "Maria 2.0" um das Aufbegehren gegen die Rolle der Frau in der katholischen Kirche.

"So passierte das auch in der vergangenen Woche in St. Agnes in Köln....

Zur Überraschung aller hätten Fremde plötzlich den Gottesdienst mitgefeiert. Der Pastoralreferent der Gemeinde bestätigt, dass viele Menschen spontan dazugekommen seien, weil sie plötzlich gesehen haben, dass ihre Kirche lebt.
Auf die Frage hin, warum die Organisatorin sich auf einmal nach außen traut, ist die Antwort recht klar.
"Bei Maria 2.0 stehen wir für eine Kirche, für die wir einstehen wollen."...

Im Bischofssitz des Erzbistums Köln, nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt poltert man bereits gegen den Frauenstreik und will stattdessen eine missionarische Kirche entwickeln. Vielleicht sollte man im Klerus beginnen zu begreifen, dass Gemeinden nur für das missionieren, woran sie glauben."
Erik Flügge (32) ist Bestsellerautor und politischer Berater

Isolde
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AUFGESTÖBERT - zum Thema MESSE

Beitrag von Isolde » So Aug 04, 2019 1:55 pm

Gelesen in: "Christ & Welt" Wochenzeitung für Glaube, Geist, Gesellschaft, Nr. 28 - 4. Juli 2019

Hartmut Rosa, Jahrgang 1965, Professor für Soziologie an der Universität Jena und Erfurt kann aus seiner sozialphilosophischen Perspektive natürlich keinen Gott annehmen, persönlich schon - so seine Rede. Jedenfalls spielt er gerne Kirchenlieder auf der Orgel und bisweilen auch einen Gottesdienst in seiner Gemeinde im Schwarzwald.
Höchst interessante Sachen erzählt nun Herr Rosa, einer der gefragtesten Soziologen Deutschlands und Entwickler der Resonanztheorie in diesem zweiseitigen Interview. Viel über den ständigen Optimierungszwang der modernen Gesellschaft (höher, schneller, weiter), über die Formen der Beziehungen, die wir zur Welt haben und natürlich über Resonanz, d.h. darüber, wie zwei Dinge miteinander in Schwingung geraten und jeweils mit dem eigenen Klangkörper antworten. "Es geht um eine Haltung des Hörens und Antwortens. Beide Seiten berühren sich, und es gibt die Chance einer Veränderung auf beiden Seiten."
Und in diesem Gespräch über Gott, Sehnsucht und Erschöpfung kommen die beiden (sein Gegenüber ist Jonas Weyrosta) auch auf den Gottesdienst zu sprechen.

Christ&Welt: Gottesdienste haben eher den Ruf, langweilige Veranstaltungen zu sein. Da stellt sich bei vielen gar kein Gefühl mehr ein.
Rosa: Ich glaube, auch das hat mit unseren Weltverhältnissen zu tun. Ein Grund dafür, dass Leute nicht mehr in den Gottesdienst gehen, liegt darin, dass er keine Deadline hat. Viele Menschen würden gerne mal wieder hingehen, aber dann passt es nie und man kann es endlos aufschieben. Genau genommen sieht man gerade, dass es alle Praktiken schwer haben, die keine Deadline kennen. Ein Ritus, der im Wesentlichen auf Wiederholung basiert, hat es erst einmal schwer gegenüber einer Haltung, die auf permanente Optimierung abzielt. Im Gottesdienst können wir erst einmal nichts Neues lernen, er bringt uns nicht voran. Aber es muss im Leben auch nicht ständig etwas Neues kommen.

C&W: Warum sollte man sich denn begrenzen? Es gibt noch so viel zu entdecken.
Rosa: Aber wir bleiben doch dabei ständig an der Oberfläche....
Wir sind ständig unterwegs, aber eigentlich halten wir uns dabei die Welt auf Distanz und verhindern, dass uns etwas berührt.

C&W: Also wäre es besser, sich zu beschränken und immer wieder das gleiche zu tun?
Rosa: Zumindest bestünde da eine größere Chance, dass wir mit der Welt in Resonanz treten. Weil wir der Welt offen begegnen, sie nicht kontrollieren, sondern sie auf uns zukommen lassen. Dabei helfen uns Rituale wie der Gottesdienst....
Das Beten ist ein gutes Beispiel für eine Resonanzpraxis. Wir wenden uns nach außen und innen zugleich. Etwas berührt unser Innerstes und steht zeitgleich in Verbindung mit einer umgreifenden Realität. In den Liedern, im Gebet kann ein Sinn für eine andere Existenz entstehen, die mich meint. Und das ist das Gegenteil davon, immer nur bei uns selbst zu bleiben. Menschen haben eine ungebrochene Sehnsucht, dem anderen zu begegnen, aber wir haben das offenbar verlernt. Die Religion wäre ein Rahmen, diese Sehnsucht auszuleben....
Wir haben längst viele Äquivalente zur Religion auf säkularer Seite, in Naturerfahrungen oder in der Esoterik. Man hört oft Sätze wie: "Ich muss mal wieder raus ins Grüne, um mich selbst zu spüren." Auch das sind Resonanzvorstellungen, das Innerste, meine Psyche tritt in Verbindung mit der äußeren Ganzheit. Das zeigt, in säkularen Gesellschaften gibt es diese Notwendigkeit, sich einer Art Resonanzbeziehung zu vergewissern.

C&W: Wird das Grundbedürfnis nach Religion trotzdem bleiben?
Rosa: Das Bedürfnis wird immer bleiben. Aber die Kirchen haben ein ganz anderes Problem: Viele Pfarrer stehen wie ein Lehrer vor einer Klasse und haben das Gefühl, die Schüler hören ihnen eh nicht mehr zu. Sie erreichen ihre Zuhörer nicht mehr. Das wäre allerdings wichtig, sonst entsteht eine Abwärtsspirale: Viele Menschen gehen nicht mehr in die Kirchen, weil sie sich nichts davon erwarten. Und noch problematischer ist, dass viele, die hingehen, dort nichts mehr erfahren. Dann ist es wirklich ein totes Ritual.

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