FRAGEN über FRAGEN - erhellend wie kurios

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Isolde
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II/2 FRAGEN über FRAGEN - erhellend wie kurios

Beitrag von Isolde » Fr Okt 18, 2019 12:31 pm

Frau Dr. Petra Bahr, Pastorin, Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte vor einigen Jahren die Leser der Wochenzeitung "Christ & Welt" gebeten sich zu melden, wenn sie vor einem Dilemma stehen und einen Ausweg mit Anstand suchen. Inzwischen sind ihre Kolumnen als Buch mit dem Titel: "Haltung, bitte!" in der Edition Chrismon erschienen.

GEBEN, ABER DALLI!

F: "Wir begleiten unsere Kinder dann und wann zu einem Gottesdienst. Dank viel Popmusik, wenig Liturgie und einem Prediger, der mit Headphone und Bibel auf einer Bühne auf und ab rennt und zugegebenermaßen mitreißend redet, gehen sie häufiger in die Kirche als ihre Eltern. Allerdings wird aus der Kollekte eine Show. Das Geld landet in Körben, und jeder sieht, was der andere gibt, während vorne jemand der Gemeinde ins Gewissen redet. Finden Sie das in Ordnung?" Georg F., Berlin

A: "Ach, der gute alte Klingelbeutel! Hier konnte dezent auch mal ein abgerissener Hosenknopf in der Tiefe landen, ohne dass es aufgefallen wäre. Der offene Korb mag da eher unter Großzügigkeitsdruck setzen. Wer will sich schon lumpen lassen, wenn die Scheine sich türmen wie Herbstblätter...
Jeder so, wie er kann - und wie er will. Dass dem Willen zum Geben auch auf die Sprünge geholfen werden muss, davon konnte schon Paulus ein Lied singen, der mit eindringlichen Worten für die Kollekte der bedrängten Gemeinde in Jerusalem wirbt. Diese erste Kollektenrede ist sogar brieflich verbürgt.
Allerdings sollte der Unterschied zwischen einer Marketingaktion und einer Kollektenrede beherzigt werden. Ein Headphone und viel Redezeit, unterlegt mit der richtigen Musik, mögen diese Unterscheidung vielleicht nicht immer fördern..."
aus: Christ & Welt - 35/2014

Isolde
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II/1 FRAGEN über FRAGEN - erhellend wie kurios

Beitrag von Isolde » Mi Sep 18, 2019 4:26 pm

Frau Dr. Petra Bahr, Pastorin, Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte vor einigen Jahren die Leser der Wochenzeitung "Christ & Welt" gebeten sich zu melden, wenn sie vor einem Dilemma stehen und einen Ausweg mit Anstand suchen. Inzwischen sind ihre Kolumnen als Buch mit dem Titel: "Haltung, bitte!" in der Edition Chrismon erschienen.
In loser Reihenfolge möchte ich von den Fragen, die den Gottesdienst betreffen und den Antworten darauf, berichten.

TIERISCH BETEN

F: "Warum darf ich meinen Hund nicht in den Gottesdienst mitnehmen? Er ist alt und grau, war mir immer ein treuer Freund und hat, wie ich finde, auch den Segen Gottes verdient. Er möchte die schönen Momente des Lebens mit mir teilen, das weiß ich genau." Anonym, bei Stuttgart

A: "Vor ein paar Tagen hörte ich von einem Gottesdienst für Tiere, da mussten offenbar die Menschen um einen Platz in der Kirchenbank bangen, so groß war der Andrang. Ein tierisches Gebelle, Gejaule und Gemiaue. Das mag wie Musik in Gottes Ohren klingen. Schließlich steht der ganze Erdkreis mit allem, was lebt, unter seinem Segen...

Trotzdem macht es Sinn, wenn Tiere normalerweise vom Gottesdienst ausgeschlossen werden. Es mag Ausnahmen geben, wie Anna, der Blindenhund aus meiner alten Gemeinde, der sein Herrchen liturgiesicher zum Abendmahl begleitete, sich beim Vaterunser auf alle viere erhob und während der Predigt geduldig döste...

Aber sie müssen auch bedenken, obwohl ihr Hund offenbar schon etwas betagter ist: Ihr haariger Freund löst unter Umständen bei dem einen oder anderen Mitchristen eher Angst und Schrecken aus. Was machen Sie, wenn er bellt, um Sie vor dem Herren mit dem Klingelbeutel zu schützen?...

Tiere stehen theologisch gesehen unter dem Segen Gottes, müssen und können ihn aber nicht selbst erbitten. Es sind die Menschen, die den Status der Gesegneten im Umgang mit den Tieren zu bewähren haben.
Es mag Wissenschaftler geben, die neuerdings auch die "Religionsfähigkeit" von Tieren erforschen, ich glaube aber, dass eine kluge Unterscheidung zwischen Mensch und Tier auch den Tieren nützt...
Stellen Sie sich vor, neben Ihnen in der Kirchenbank sitzt Ihre Nachbarin mit ihrer Lieblingskatze. Oder der Konfirmand mit seiner schönen weißen Ratte..."
aus: Christ & Welt - 38/2014

Isolde
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FRAGEN über FRAGEN - erhellend wie kurios

Beitrag von Isolde » Mi Sep 18, 2019 3:33 pm

Mit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965), also vor gut 50 Jahren kam die Liturgiereform ins bzw. übers Land. Die Gläubigen sollen ab nun als Gemeinde, als Gemeinschaft der Gläubigen ("Volk Gottes", "gemeinsames Priestertum") aktiv ins liturgische Geschehen einbezogen werden, die Zentrierung auf den Priester tritt zurück.
Konkret heißt das - nach jetzigem Stand und etlichen Nachbesserungen der ständig zu reformierenden Kirche:
  • Latein wird durch die jeweilige Landessprache ersetzt (eigentlich heißt es mehr Einsatz der Landessprachen)
    Volksaltar - Priester feiert das Messopfer nicht mehr mit dem Rücken zu der Gemeinde.
    Handkommunion, Kommunion in beiderlei Gestalt für alle Gläubigen, die würdig sind die Sakramente zu empfangen(?)
    Mehr Wortgottesdienst, Bibelverkündigung, Fürbitten
    Aufwertung der Kirchenmusik
Zahlreiche Traditionen und Riten wie etwa die Kanzelpredigt oder die "Stillen Messen" werden abgeschafft.

Und in Zeiten der Selbstverwirklichung wird die Sache äußerst kreativ, bunt, öffentlichkeitswirksamer und zeitweise stellt sich schon die Frage, wo wir jetzt eigentlich umgehen, wie weitergehen, wann stehenbleiben und letztendlich auch mal wieder ankommen.

Folgende Fragen allerdings beschäftigten noch vor ca. 50 Jahren die LeserInnen des Tiroler KIRCHENBLATTES

F: "Ist es nicht ein Mangel an Ehrfurcht, wenn manche bei der Kommunion nicht mehr knieen, sondern im Stehen empfangen?"
A: "In vielen Kirchen empfangen die Leute die heilige Kommunion knieend, in anderen stehend, wie ja auch der Priester sie stehend empfängt. Es hat das mit Ehrfurcht und Demut nichts zu tun. Man wird versuchen, sich der Allgemeinheit anzupassen, aber auch den nicht zu verurteilen, der es anders macht."

F: "Dürfen nach der neuen Liturgie bei der Prozession nur Prozessionslieder gespielt werden oder ist es freigestellt, auch Marschmusik einzubauen?"
A: "Es liegt eine größere Auswahl sogenannter Prozessionsmärsche vor. Man muss sich nur die Noten besorgen und proben, dann wird man nicht in Verlegenheit kommen. Es sind auch manche weltliche Märsche würdig, aber andere passen nicht zur Prozession, z.B. mit dem Text: "Und kommt der Feind ins Land herein..."

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