DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

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Gregor

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Gregor » Mi Feb 19, 2020 12:17 am

Ich hatte das unverdiente Glück, schon eine ganze Reihe unvergesslicher „Erdwärtsmessen“ mitfeiern zu dürfen. So gesehen zähle ich mich zu den eher hartgesottenen Insidern. Glaubte ich schon vorab zu wissen, was mich in der Nikolauskirche erwartet, wurde ich am vergangenen Sonntag sehr schnell eines Besseren belehrt. Denn das liturgische Großereignis von St. Nikolaus sollte alles Bisherige in den Schatten stellen.
Das fing schon damit an, dass uns der Komponist wieder einmal eine „neue“ Version seiner Messe präsentierte. Diesmal war es die „Neue Erdwärtsmesse“. Allerdings warteten auf uns musikalische Überraschungen wie z.B. die Integration des Besten aus der orthodoxen Tradition. Vielleicht eine „ökumenische“ Erdwärtsmesse? Zugegeben, das Ergebnis ist einfach genial!
Gerade deshalb mein inbrünstiger Appell: Bitte, lieber Herr Marthé, jetzt bloß nix mehr ändern! Diese Messe bringt so wie sie jetzt ist den Himmel auf die Erde.
Neu war dann auch, dass endlich auch der „Altar“ mitgezogen hat und Text und Ritual nun auf demselben Niveau angekommen sind wie die Musik. Das gab dieser Messe eine für mich bisher nicht gekannte Einheit und Größe. Dank dem Bischofsvikar Jakob Bürgler, der solches mitgetragen hat! Chapeau!
Dass Marthé und sein Chor wieder einmal in Hochform glänzten, war so ziemlich das „Normalste“ an diesem ungewöhnlichen Gottesdienst. Beeindruckend auch die souveräne Meisterung der Orgel durch Hausorganist Michael Lackner!
Als das eigentliche „Ereignis“ dieses Sonntags empfand ich aber das Aufeinandertreffen zweier so unterschiedlichen Welten wie die „Neue Erdwärtsmesse“ und die Nikolauskirche! Als ob diese beiden seit Ewigkeit füreinander bestimmt gewesen wären. Fungierte diese Kirche in Innsbrucks Kirchenlandschaft bisher eher wie ein unauffälliges Mauerblümchen, hat sie sich in Verbindung mit der „Neuen Erdwärtsmesse“ zur imposanten Kathedrale gemausert. Erst durch das Zusammenspiel dieser beiden "Größen" öffnete sich der Himmel!
Beinahe überirdisch schön empfand ich das durch das ständig wechselnde Sonnenlicht hervorgerufene, fantastische Farbenspiel der Kirchenfenster, das den Kirchenraum in einen einzigartigen, mystischen Tempel verwandelte.
Ein unvergesslicher, mich tief aufwühlender Gottesdienst! Deshalb auch meinerseits ein von Herzen kommendes Dankschön an die Pfarrgemeinde von St. Nikolaus, die uns allen ein so einzigartiges spirituelles Erlebnis ermöglicht hat.

Erika

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Erika » Di Feb 18, 2020 10:03 am

Irgendwann habe ich es aufgegeben, in die Messe zu gehen, weil mir das alles nichts mehr gesagt hat. Neugierig bin ich dann durch eine Zeitungsmeldung geworden: Eine himmlische Messe für das abhandengekommene Gottesvolk? Das empfand ich wie eine persönliche Einladung, denn dazu zähle ich mich allerdings auch. Und so bin ich am Sonntag voller Erwartung nach St. Nikolaus gepilgert. Mit allem Möglichem hatte ich gerechnet, nur nicht mit soetwas! Ich war sehr tief bewegt. Aber wo kommen alle diese wunderbaren Texte her, die der Priester vorgetragen hat, vor allem aber diese ergreifenden Liedtexte? Sind die etwa plötzlich vom Himmel gefallen? Warum hört man in den anderen Messen sonst nie etwas Derartiges? Insgesamt kann ich mich nicht erinnern, in einer Messe jemals etwas so Ergreifendes und Erschütterndes erlebt zu haben.

Nicole

Re: DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Nicole » Di Feb 18, 2020 12:20 am

Alles was Origines hier zum Ausdruck gebracht hat, kann ich auch für mich persönlich nur voll bestätigen! Auch ich habe eine sehr tiefe Betroffenheit nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei den Vielen, die da gekommen waren, wahrgenommen.
Da war danach in den Gesprächen immer wieder von "Erhebung" zu hören. Ich glaube, dass es genau darauf ankommt, dass wir eben durch die Messe emporgehoben werden. Oder wie es Origines so schön in Worte gefasst hat: herausgehoben werden aus der abstumpfenden Verankerung des Alltags. Dass wir wieder Weite erfahren können und damit zur Begegnung mit Gott instand gesetzt werden. Sehr hilfreich, tiefer in das Wesen der Messe eindringen zu können, waren für mich die ergreifenden Worte von Bischofsvikar Jakob Bürgler! Ja, der Anfrage von Origines, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, diesen bemerkenswerten Predigt-Text nachlesen zu können, möchte auch ich mich anschließen. Welch ein Geschenk, dass gerade er diese außergewöhnliche Liturgie geleitet hat!
Nein, diese "Erdwärtsmesse" war einfach insgesamt ein Wahnsinn! Danke an alle, die soetwas ermöglich haben! Besonderen Dank an die Pfarre St. Nikolaus! Welch wundervolle Kirche ihr doch habt!

Origines

DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Beitrag von Origines » Mo Feb 17, 2020 9:46 pm

DANKE ST. NIKOLAUS! DIE MESSE LEBT!

Zugegeben, die Messe war für mich so gut wie abgehakt, auch wenn ich mich selbst unabhängig davon als einen überzeugten Katholiken betrachte. Sie war für mich schon lange Zeit nicht mehr „erhebend“ (ich meine dieses Wort sehr ernst, also ganz wörtlich: heraushebend aus der abstumpfenden, alltäglichen Verankerung!) - und damit auch keine „Quelle des Lebens“ und schon gar kein „Höhepunkt meines Glaubens“ mehr.
Das hat sich seit gestern radikal geändert. Gott sei Dank konnte ich meine ursprüngliche Skepsis überwinden und bin dem medialen Aufruf nachgekommen, am Sonntag, den 16. Februar um 11 Uhr in der Innsbrucker Nikolauskirche einer „himmlischen Messe für das abhandengekommene Gottesvolk“ beizuwohnen. Ja, auch ich zähle mich wie viele viele in meinem Bekanntenkreis zum „abhandengekommenen Gottesvolk.“ Wenn ich richtig informiert bin, soll inzwischen der Großteil der europäischen Christenheit zum „abhandengekommenen Gottesvolk“ zählen, also jene, die Gottesdienstbesuche meiden.

Seit gestern ist alles anders. Alle meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. Eine rammelvolle Kirche. Es begann schon damit, dass bereits ab 10:30 die „Magie des St. Nikolauser Glockengeläutes“ die in Scharen über den Inn-Steg herbeiströmenden Menschen wohlwollend in Empfang nahm. Mit einigen wuchtigen, in die Glieder fahrenden Hammerschlägen auf das geschlossene Haupttor der Kirche nahm dann das „Drama“ der heiligen Messe seinen Lauf. Was diese Messefeier von allen anderen bisher erlebten deutlich unterscheidet, war das Erlebnis, dass alles aus einem einzigen Guss war und es keine einzige „Schwachstelle“ gab. Weder in den Texten, noch in der Musik, noch im Geschehen am Altar. Nicht nur das ziemlich archaisch wirkende Kyrie eleison, sondern auch das vielstimmige, gewaltige Heilig-Lied lösten in mir unbekannte seelische Resonanzen aus. Ungewöhnlich waren auch die im byzantinischen Stil gesungenen Fürbitten. Als zwei ganz große Höhepunkte dieses Gottesdienstes erlebte ich die von allen gesungene „Herabrufung des Geistes“, sowie den gewaltigen „Lamm-Gottes-Friedensdom“. Dieser löste nicht nur bei mir tiefe Erschütterung aus. Ich habe auch in meiner näheren Umgebung nicht wenige Menschen weinen gesehen.
Einen ganz besonderen Eindruck machte nicht nur auf mich der Zelebrant Bischofsvikar Jakob Bürgler, dem beim Gottesvolk ganz allgemein eine große Wertschätzung entgegenschlug, wie man nach dem Gottesdienst im Umkreis hören konnte. Und das wohl zu Recht. Da war einer vorn am Altar am Werk, dem man das, was er tut oder sagt, auch voll abnimmt. Der in der sogenannten „Predigt“ Worte findet, die dich unmittelbar treffen und zum Nachdenken veranlassen. Der sich auch nicht scheut, einen scheinbar nichtgläubigen Schriftsteller wie Peter Handke als Kronzeugen für die Sache „Messe“ zu zitieren! (Bei dieser Gelegenheit würde ich hier gerne deponieren, ob es nicht möglich wäre, den profunden Text dieser „Predigt“ nachträglich auf dieser Website zu veröffentlichen?)
Kein Wunder also war dann die Reaktion der tief betroffenen Gemeinde: trotz der Länge dieser mehr als anderthalben Stunden dauernden Messe herrschte in der Kirche bis zum Schluss eine hochkonzentrierte Stille und Ergriffenheit. Hier konnte man dann tatsächlich etwas von dem erahnen, worüber vorab in der Presse schon zu lesen war: was steckt wirklich in der Messe drinnen (dürfte aber inzwischen verloren gegangen sein), dass sie beinahe zweitausend Jahre von Millionen von Menschen als „Quelle des Lebens“ und „Gipfelerfahrung des Glaubens“ erlebt wurde?

Was wäre aber dieser Gottesdienst gewesen ohne den Raum, in dem diese Messe vonstattenging, die Nikolauskirche? Nicht nur ein außerordentlich schöner Raum, sondern auch ein Ort mit einer besonderen „spirituellen“ Ausstrahlung. Hier kann unter bestimmten Bedingungen Gottesbegegnung tatsächlich stattfinden.
Wer immer auch in der Pfarre St. Nikolaus dafür zuständig war, dass dieses außerordentliche Ereignis zustande kam: bitte sorgt dafür, dass soetwas nicht nur bei diesem einen Mal bleibt!
Ich kann nur für mich selbst bestätigen, was unlängst Papst Franziskus geäußert hat: Es gibt in dieser Welt einen großen eucharistischen Hunger und ihr Hirten (das seid auch ihr Pfarrgremien!) tragt die Verantwortung dafür, dass er auch gestillt wird. Wer sonst?
Diese ungewöhnliche Gottesdienstfeier gestern in St. Nikolaus hat für viele wieder ein Tor der Hoffnung weit aufgemacht: die Messe kann trotz all der vielen negativen Erfahrungen, die zur Massenflucht aus den Kirchen führen, wieder zur Quelle des Lebens und zur Höhepunkt des Glaubens werden.
Tut also alles, dass dieses Tor bei euch in St. Nikolaus weiterhin weit offen bleibt.

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